Besuch des Staatsarchivs und Hauptversammlung

Auch in diesem Jahr ist es uns wieder gelungen, die Hauptversammlung in einem besonderen Rahmen stattfinden zu lassen. Dazu trafen wir uns im Staatsarchiv Ludwigsburg des Landesarchivs Baden-Württemberg. Zunächst bekamen wir eine interessante Führung und hielten im Anschluss dort unsere Hauptversammlung ab.

Die Abteilung Staatsarchiv Ludwigsburg ist seit 1995 in der ehemaligen Arsenalkaserne im Zentrum Ludwigsburgs untergebracht. Heute geben rund 680 staatliche Behörden aus dem Regierungsbezirk Stuttgart Akten an das Staatsarchiv Ludwigsburg ab. Der nordwürttembergische Raum beschreibt auch den Schwerpunkt der historischen Bestände des Staatsarchivs. Im Mittelpunkt der Überlieferung stehen Akten der mittleren und unteren Verwaltungsbehörden mit einer Vielzahl von Fallakten, in denen Millionen von Einzelschicksalen dokumentiert sind und die überdies faszinierende Einblicke in das Alltagsleben vergangener Zeiten ermöglichen.
Einen einzigartigen Zugang sowohl zur Zeit des Nationalsozialismus als auch zu dessen Aufarbeitung nach 1945 ermöglichen die knapp 500 000 Akten, die im Zuge der Entnazifizierung von den Spruchkammern angelegt wurden. Das Schicksal von Tausenden von Opfern des NS-Regimes ist in den Wiedergutmachungs- und Rückerstattungsakten dokumentiert. In den Akten von Polizei und Justiz sind viele bekannte Kriminalfälle, darunter auch solche der RAF, nachzulesen. Das Spektrum der Überlieferung umfasst aber auch Patientenakten aus staatlichen Kliniken oder das reichhaltige Archiv des württembergischen Staatstheaters in Stuttgart sowie Unterlagen anderer Kultureinrichtungen des Landes. In den Magazinen liegen zudem zahlreiche Dokumente aus der Zeit vor Gründung des Königreichs Württemberg im Jahr 1806, unter anderem Urkunden und Akten des Deutschen Ordens, des Stifts Ellwangen und anderer geistlicher Einrichtungen in Nordwürttemberg sowie historische Dokumente von Ulm, Esslingen, Heilbronn und anderen ehemaligen freien Reichsstädten. Besonders häufig werden auch die Akten der Kreisregierungen und Oberämter aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert nachgefragt.

Als landeskundliches Kompetenzzentrum sorgt das Landesarchiv dafür, die archivalische Überlieferung Baden-Württembergs als Teil des kulturellen Erbes und der Erinnerungskultur zu sichern, zu erhalten und jedem Interessierten zugänglich zu machen. Die Bandbreite reicht von der mittelalterlichen Urkunde bis zu den digitalen Erzeugnissen unserer Zeit (Datenbanken, E-Mails, Internet-Seiten). Bereits über seine Website schafft das Landesarchiv vielfältige Zugänge zum Archivgut. Das Landesarchiv arbeitet auch aktiv an der Erforschung und Vermittlung der Geschichte Südwestdeutschlands mit.

In den Beständen des Landesarchivs spiegelt sich die historische und kulturelle Vielfalt Südwestdeutschlands. Jeder Bestand ist einmalig, steht für die individuelle Geschichte von Menschen und Regionen. So ist das Landesarchiv ein unersetzlicher Speicher von Wissen und Erfahrung - mit bemerkenswerten quantitativen Dimensionen: Das Landesarchiv verwahrt in seinen Magazinen rund 152 Regalkilometer Akten und Bände, 310.000 Urkunden sowie 350.000 Karten und Pläne. Bedeutende Fotosammlungen und audiovisuelle Unterlagen runden die Bestände ab. Im digitalen Magazin des Landesarchivs werden elektronische Unterlagen gespeichert.
Mit dem Aufbau archivischer Online-Informationssysteme und Internet-Portale engagiert sich das Landesarchiv Baden-Württemberg seit mehreren Jahren in besonderer Weise und nimmt in Verbindung mit der Digitalisierung von Archivgut die Funktion eines archivischen Kompetenzzentrums wahr.

Seine Erfahrungen bringt das Landesarchiv nicht nur in landesweiten und nationalen Kooperationen wie dem Aufbau des landeskundlichen Informationssystems LEO-BW und der interdisziplinären Deutschen Digitalen Bibliothek, sondern auch in europäischen Kooperationen ein. So beteiligte es sich an mehreren EU-Projekten, die den Aufbau von Online-Informationssystemen und Portalen zum Ziel hatten, und stellt bereits seit etlichen Jahren im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg den Bundesratsbeauftragten für die Digitalisierung von Kulturgut als Vertreter der deutschen Bundesländer in europäischen und nationalen Gremien.

Text + Fotos: Jan Gallas

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